Bunnahabhain. Ein Fass. Eine zensierte Geschichte.
Unser Quercus ist ein 9-jähriger Single Cask Bunnahabhain – leicht getorft, auf Fassstärke abgefüllt, ungefiltert und ungefärbt. Und er hat eine Geschichte, die man so schnell nicht vergisst.
Der Sound, den du nicht vergisst
Es gibt Orte, die man nicht beschreiben kann. Man muss sie hören.
Bunnahabhain liegt direkt am Sound of Jura – jenem schmalen Meeresarm, der Islay von ihrer Nachbarinsel trennt. Wer dort steht, hat die Paps of Jura vor Augen: zwei sanft gerundete Hügel, die aus dem Wasser wachsen wie ein Versprechen – „Paps” bedeutet auf Gälisch schlicht „Brüste”, und wer einmal dort gestanden hat, versteht sofort, warum. Ein Anblick, der fast kitschig wäre – wenn er nicht so verdammt echt wäre.
Aber es ist nicht der Blick, der bleibt. Es ist der Sound.
Die Brandung rollt die Kieselsteine am Strand hin und her. Ein gleichmäßiges, tiefes Klackern, das sich mit dem Wind mischt. Kein Rauschen. Kein Tosen. Einfach: Steine. Wasser. Zeit. Genau dieser Rhythmus prägt den Ort, an dem dieser Whisky entstand.
Ein Name, der zensiert wurde – und warum
Auf der Flasche klebt ein Aufkleber. Rot. Mit einem einzigen Wort: CENSORED.
Darunter verbirgt sich kein Skandal. Sondern eine Geschichte, die nur Islay-Kenner wirklich zu schätzen wissen.
Als wir das Fass kauften, gehörte es offiziell zu einer Fassserie namens „Ardnahoe” – leicht getorfte Abfüllungen aus der Bunnahabhain-Destillerie. Soweit, so unspektakulär. Doch in der Zwischenzeit passierte etwas: Hunter Laing baute auf Islay eine neue Destillerie. Und nannte sie: Ardnahoe.
Plötzlich war der Name auf unserem Etikett nicht mehr nur eine interne Fassbezeichnung – er war der Name einer anderen, real existierenden Brennerei. Wir haben ihn überklebt – aus Gründen.
Was im Fass passiert ist
Quercus – der botanische Name der Eiche – ist kein Zufall. Dieser Whisky ist ein Zeugnis dafür, was neun Jahre in einem guten Ex-Bourbon-Cask aus einem Destillat machen können.
Destilliert im März 2013. Abgefüllt im Mai 2022. Fass Nr. 900299. Ungefiltert, ungefärbt, bei 56,8% Fassstärke.
In der Nase: Gerste, Hefe, leicht geröstetes Brot. Eine zurückhaltende Süße, die sich mit dem Holz des Fasses zu etwas Unerwartetem verbindet – Champagner-Noten, Weintrauben, blumige Parfum-Töne. Und dann, wenn man schon glaubt, alles erfasst zu haben: ein Hauch Camembert mit Preiselbeere. Man riecht nochmal. Und nochmal.
Im Mund ist er süßer als die Nase verspricht. Die 56,8% bringen eine Schärfe, die der Süße entschlossen gegenübertritt – aber sie nicht unterdrückt. Wie bei einem guten Chili: die Wärme hält an, klingt ab, und lässt die ursprünglichen Aromen klarer zurück als zuvor. Jörg hätte das Alter auf zweistellig getippt – so gut sind die Aromen bereits miteinander verbunden.
Fazit: Purer, schnörkellos runder Whisky. Kein Finish, kein Schnick und Schnack. Nur das, was Whisky im Kern ausmacht.
Für wen ist dieser Whisky?
Für alle, die sich eine Pause von den zahlreichen gefinishten Abfüllungen gönnen wollen. Für Bunnahabhain-Fans, die eine rare, exklusive Ergänzung ihrer Sammlung suchen. Und für alle, die verstehen, dass die besten Geschichten manchmal unter einem schwarzen Aufkleber stecken.
Quercus. Cask #900299. 56,8%. Nur noch wenige Flaschen noch verfügbar.